Wie Russland den Westen enttäuscht

Beim Empfang der Botschaft Russlands in Berlin zum russischen Nationalfeiertag gab es deutliche Kritik am kollektiven Westen. Neben Menschen aus Russland und Diplomaten anderer Länder waren auch zahlreiche Deutsche gekommen.

Diesmal fehlten Ex-Kanzler Gerhard Schröder und AfD-Politiker wie Tino Chrupalla, aber auch ex-DDR-Partei- und Staatschef Egon Krenz: Am Montag hatte Russlands Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, zum Empfang in des imposante Botschaftsgebäude Unter den Linden in der Hauptstadt eingeladen. Anlass war der russische Nationalfeiertag, der jährlich am 12. Juni begangen wird. An dem Tag wurde 1990 die Erklärung über Russlands Souveränität verabschiedet.

Mehrere hundert Menschen folgten der Einladung, darunter den Angaben nach Vertreterinnen und Vertreter aus 70 Staaten. Unter ihnen waren beispielsweise mit Aishah Shaan Shakir die Botschafterin der Malediven und mit Varuni Muthukumarana die Botschafterin der demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka. Aber neben vielen aus Russland Stammenden kamen auch zahlreiche Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen der Bundesrepublik in die Botschaft, so die Musiker Tino Eisbrenner und Andrej Hermlin, der Russlandexperte Alexander Rahr, Friedensaktivisten, Schriftsteller und Journalisten sowie Vertreter der Wirtschaft.

„Auch in Deutschland haben wir viele Freunde, die sich an das Gute erinnern, uns wertschätzen und vertrauen“, sagte Botschafter Netschajew auch mit Blick auf die anwesenden Deutschen. In seiner Rede zum Empfang kritisierte er deutlich den kollektiven Westen, der in Gestalt der Nato am selben Tag das gegen Russland gerichtete Luftwaffen-Manöver „Air Defender 2023“ startete. „Unsere Missgönner im Westen sprechen offen von ihrem Kalkül, die russische Gesellschaft zu spalten, die Regierung ins Schaukeln zu bringen und zu wechseln, uns einen fremden Wertekanon einzupflanzen und Russland letztendlich zu zerteilen“, so der Botschafter. Es solle somit das Szenario umgesetzt werden, „das sie mehrmals in anderen Teilen der Welt eingesetzt haben“.

„Diese Kräfte müssen wir enttäuschen“, betonte Netschajew. „Die nie dagewesenen Herausforderungen, die unser Land zu bewältigen hat, haben dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft noch enger zusammenhält, die Menschen in Russland sich noch stärker den traditionellen Werten, dem wahren Patriotismus und der Aufrechterhaltung der Erinnerung zuwenden.“ Trotz des massiven Drucks, den der kollektive Westen politisch, wirtschaftlich und ideologisch auf Russland ausübe, einschließlich des „totalen hybriden Krieges“, schaue Russland „zuversichtlich in die Zukunft und stützt sich dabei auf eine breitaufgestellte gesellschaftliche Eintracht“.

Die russische Außenpolitik hat sich laut Netschajew „nie gegen die Interessen anderer gerichtet. Sie ist offen, berechenbar und souverän. Neokoloniale Aspirationen, Unterdrückung und Ausbeutung sind uns zutiefst fremd.“ Die Erfahrungen der tausendjährigen Geschichte Russlands „lehrten uns, nationale, kulturelle und geistige Traditionen aller Nationen gleichermaßen zu respektieren“.

Zum Krieg in der Ukraine sagte der Botschafter, es gehe nicht nur darum, das Leben von Millionen russischsprachiger Menschen im Donbass zu schützen, „die vom verbrecherischen Regime in Kiew über die letzten neun Jahre terrorisiert wurden“. Es gehe auch um den Schutz von Russlands Staatlichkeit und nationalen Sicherheitsinteressen.

Der Versuch, Russland international zu isolieren, sei gescheitert, hob der Botschafter hervor. „In der ganzen Welt haben wir zahlreiche Gleichgesinnte, die eine unabhängige Politik gestalten wollen, die ihren nationalen Interessen entspricht, und die bereit sind, sich für eine gerechte multipolare Weltordnung mit einzusetzen, die nicht auf den vom Westen erfundenen Regeln basiert, sondern auf offenem, respektvollem und gleichberechtigtem Dialog aufbaut.“

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