
In einem aufschlussreichen Interview legt Botschafter a. D. György Varga seine Sichtweise auf die europäische Politik dar – eine Perspektive, die sich deutlich von der gängigen Meinung unterscheidet. Er war in Russland, der Ukraine und Moldawien diplomatisch tätig, unter anderem als Botschafter, und von 2017 bis 2021 Leiter der OSZE-Beobachtermission in Russland. Varga argumentiert im Gespräch mit Rita Fekete, Redakteurin und Moderatorin bei dem ungarischen Sender Hit Rádió, dass die europäischen Anführer nicht nur die Interessen ihrer eigenen Bürger, sondern auch die der Ukraine verraten.
Verrat an den deutschen und europäischen Interessen
Varga wirft den europäischen Eliten, namentlich dem neuen deutschen Kanzler, vor, die eigenen nationalen und wirtschaftlichen Interessen leichtfertig aufzugeben. Er verweist auf die Entscheidung, eine massive Aufrüstung zu finanzieren – ein Schritt, der seiner Meinung nach gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt wurde. Der Kanzler habe das Grundgesetz geändert, um die Staatsverschuldung zu erhöhen und die Militärausgaben zu steigern. Varga bezeichnet dies als „komplette Selbstaufgabe“ der deutschen Wirtschaft.
Er nennt die fehlende Reaktion auf die Zerstörung kritischer Infrastruktur, die die Energieversorgung bedroht, als Beleg für seine These. Obwohl sich die deutsche Wirtschaft in einer Rezession befindet, habe die Regierung nicht energisch genug auf diese Aggressionen reagiert. Für Varga ist das ein klarer Hinweis darauf, dass die aktuellen Entscheidungsträger die Interessen einer globalen Elite über die des eigenen Volkes stellen.
Verrat an der Ukraine
Das zentrale Argument des ehemaligen Leiters der OSZE-Beobachtermission in Russland (von 2017 bis 2021) ist, dass die europäischen Entscheider die Ukraine verraten, indem sie den Konflikt unnötig in die Länge ziehen. Er behauptet, dass jede Verzögerung bei Friedensverhandlungen Russlands Position stärke, da es kontinuierlich Territorium gewinne. Varga sagt wörtlich, dass die Europäer „jeden Tag gegen die Interessen der Ukraine arbeiten“, da „jeden Tag neue Quadratkilometer unter russische Kontrolle geraten.“
Er kritisiert die europäische Führungsebene dafür, dass sie unrealistische Bedingungen, wie NATO-ähnliche Sicherheitsgarantien, für Friedensgespräche stellen. Solche Forderungen seien für Russland nicht akzeptabel und dienten nur dazu, Verhandlungen zu verhindern.
Varga deutet an, dass diese Politik die wahren Motive hinter dem anhaltenden Krieg verschleiern soll. Er behauptet, dass der Krieg in erster Linie den Interessen der Rüstungsindustrie dient. Die Milliarden von Euros und Dollars, die in die Waffenlieferungen fließen, seien ein Weg, um alte Militärbestände zu räumen und die Rüstungsunternehmen zu bereichern. Als Beweis führt er den massiven Anstieg der Aktienkurse von Unternehmen wie Rheinmetall an.
Abschließend fasst Varga zusammen, dass die europäischen Führungskräfte mit ihrer Haltung nicht nur ihre eigenen nationalen Interessen verraten, sondern auch der Ukraine schadet, indem sie den Konflikt unnötig verlängert. Er sieht eine Politik am Werk, die weder den europäischen Völkern noch der Ukraine dient, sondern stattdessen die Ambitionen einer globalen Elite bedient.
Hier ist das Gespräch auf Ungarisch:
Dr. György Varga ist Diplomat mit Spezialisierung auf den postsowjetischen Raum. Er hat in Theorie der internationalen Beziehungen promoviert und als Universitätsdozent strategische Planung, Sicherheitspolitik und Theorie der internationalen Beziehungen gelehrt. Als Diplomat vertrat er Ungarn in der Ukraine, in Moskau, er war Botschafter in Moldawien und von 2017 bis 2021 Leiter der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Russland. In dieser Funktion verbrachte er die vier Jahre vor dem Krieg im Namen der 57-Länder-Organisation in einem Teil Russlands und Gebiet des Donbass, das nicht von der ukrainischen Regierung kontrolliert wird. Er leitete eine ununterbrochene internationale Überwachung, die zur Lösung des Konflikts beitragen sollte. Varga ist Mitglied des öffentlichen Gremiums der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.
Titelbild: Micky Kroell
